Presseberichte zum Amtsantritt

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Aus der Nassauischen Neuen Presse

Zwischen Rathaus und Landtag

12.08.2014 Von Anken Bohnhorst-Vollmer     Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete in einer Person – kann das funktionieren, oder kommt es bei dieser Konstellation zu Interessenskonflikten? CDU-Politikerin Gabi Wieland sagt: „Das klappt, wenn man konsequent ist.“ Die CDU-Politikerin Gabi Wieland ist seit einigen Wochen auch ehrenamtliche Bürgermeisterin von Montabaur und seit rund drei Jahren Landtagsabgeordnete in Mainz.

„Ich weiß, wann ich auf welchem Stuhl sitze“, sagt Gabi Wieland. „Ich bin ein sehr rationaler Mensch.“ Dass es bei ihren Arbeitsplätzen Überschneidungen gibt, weiß sie. Auch Kollisionen von Themen und Interessen werden sich nicht vermeiden lassen. „Aber es muss immer um die Sache gehen“, betont die 53-Jährige, die seit 2011 für die CDU den Wahlkreis Montabaur im rheinland-pfälzischen Landtag vertritt und die seit Anfang Juli ehrenamtliche Bürgermeisterin der Kreisstadt im Westerwald ist. „Turbulent schön“ sei diese Aufgabenhäufung, „und ja“, räumt sie ein, sie ist froh, dass ihre Einarbeitungszeit im Rathaus in die Ferien fällt. Die Landespolitikerin nutzt ihren sechswöchigen Urlaub, um die Amtsgeschäfte in ihrer Kommune in den Griff zu bekommen.

„Die Begeisterung, die ich für diese schöne Stadt empfinde, möchte ich weitergeben“, formuliert die gelernte Mathematikerin ihr Ziel, dem sie jeden Tag ein wenig näher kommen will. Besonders in der Ferienzeit sei zu spüren, wie beliebt Montabaur als Ausflugsort ist. Täglich kämen Familien mit Kindern in die Stadt, um in der begehbaren Brunnenanlage am Konrad-Adenauer-Platz zu spielen. Touristen ließen sich vor dem historischen Rathaus fotografieren. Und wenn sie mittags die Fenster ihres Büros öffnet, höre sie „Feriengeräusche von der Fußgängerzone“. Die persönliche Nähe zu den Menschen liegt ihr, erzählt Gabi Wieland. Das sei keine Stammtischgeselligkeit, sondern freundliche Offenheit.

Hat sie die auch bei ihrem Amtsantritt im Rathaus erfahren, das bislang stets von Männern geleitet wurde? Die Politikerin lächelt. „Dass irgendjemand gefremdelt hat, ist mir nicht aufgefallen. Ich habe hier ein starkes, professionelles und sehr erfahrenes Team“, erwidert sie.

Anders als im Mainzer Landtag? Der Vergleich funktioniert nicht, meint sie, weil ihre Aufgaben und Funktionen an beiden Positionen sehr unterschiedlich sind. Was ihr allerdings am Schreibtisch in Montabaur zugute kommt, ist, dass sie als Landtagsabgeordnete gelernt habe, sich schnell in komplexe Sachverhalte einzulesen. Auch auf Landesebene gehe es schließlich um Fragen etwa zu Schulerweiterungen oder -änderungen oder zu Kindertagesstätten. „In diesen Themen bin ich drin.“

Dass es dennoch während ihrer parallel verlaufenden Amtszeiten auch inhaltliche Reibereien geben kann, hält die Politikerin für möglich.

Zum Beispiel bei den vom Stadtrat befürworteten Sonntagsöffnungszeiten für das geplante Fashion Outlet Center (FOC) im ICE-Gelände. Die landespolitische Entscheidung wäre in dieser Sache möglicherweise anders gefallen, räumt sie ein. Allerdings habe der Investor nach heftigen Protesten der etablierten Einzelhändler auf eine Sonderregelung verzichtet. Gabi Wieland musste sich nicht auf eine Seite festlegen. Aber, sagt sie, „als Bürgermeisterin ist mir natürlich auch an der Region und am Land gelegen.“ Ihre Arbeit in zwei Positionen sei somit weniger ein Spagat, als eine Symbiose.

Die größte Herausforderung ist das Zeitmanagement, meint die Politikerin. Jetzt sechs Wochen für die Vollzeit-Bürgermeisterarbeit zu haben, ist gut. Aber im Herbst wird sie wieder regelmäßig nach Mainz fahren, und „darauf freue ich mich dann auch wieder“. In einem Amt Kraft und Kreativität für das andere zu schöpfen, das ist Gabi Wielands Plan. „Das klappt“, sagt sie, „wenn man konsequent ist“.

Formularende

Westerwälder Zeitung 1.7.2014

Wieland will neue und alte Stadtteile besser verbinden

Politik Neue Montabaurer Stadtbürgermeisterin wird am Mittwoch ins Amt eingeführt – Belebung des Zentrums ist Herzensangelegenheit

M Montabaur. Nach ihrem Sieg bei den Kommunalwahlen Ende Mai wird Gabi Wieland am Mittwoch in ihr Amt als Stadtbürgermeisterin von Montabaur eingeführt. Die WZ sprach mit der CDU-Politikerin über die wichtigsten Projekte in den nächsten Monaten und über die möglichen Folgen eines teilweise hart geführten Wahlkampfs.

Frau Wieland, ein intensiver Wahlkampf in Montabaur liegt hinter Ihnen. Sind Sie mit Ihrem Wahlergebnis zufrieden? Und haben Sie inzwischen schon Zeit gehabt, etwas Luft zu holen?

Dass es knapp wird, war mir klar. Und es war auch völlig offen, wie es ausgeht. Letztlich sind es gut fünf Prozentpunkte Unterschied zu Björn Walden geworden. Insofern bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Alle Seiten haben hinterher erst einmal ein paar Tage gebraucht, um Abstand zu gewinnen. Aber es wäre schlimm, wenn wir inzwischen nicht wieder Kraft getankt hätten.

Was sind jetzt politisch die nächsten Schritte?

Nach der offiziellen Amtsübergabe steht die Wahl der Beigeordneten an. Dazu gibt es erste Sondierungen zwischen den Fraktionen. Es wird wohl das strittigste Thema sein. Anschließend wird die Größe der Ausschüsse festgelegt. Über die konkrete Besetzung entscheidet dann jede Fraktion für sich.

Haben Sie die Sorge, dass die Kommunikationskultur im Stadtrat unter dem teilweise hart geführten Wahlkampf leiden könnte?

Die Gefahr ist da. Aber alles, was sich in den vergangenen Jahren an positiver Zusammenarbeit entwickelt hat, ist nun auch nicht durch einen vergleichsweise kurzen Wahlkampf zerstört. Viele wichtige Entscheidungen wurden mit großer Mehrheit getroffen. Auch die Diskussionen waren in der Regel sehr sachorientiert. Ich hoffe, dass es uns gelingt, sehr schnell wieder zu diesem konstruktiven Miteinander zu kommen.

Im Wahlkampf wurde vom Bündnis für den Wechsel immer wieder der Vorwurf geäußert, Sie hätten zu wenig Zeit für das Stadtbürgermeisteramt ...

Zunächst einmal ist es ein grundsätzliches Problem, dass Stadtbürgermeister von Montabaur kein hauptberufliches Amt ist. Jeder, der im Berufsleben steht, hat ein Zeitproblem – ganz egal, wer es macht. Das ist für mich aber nicht entscheidend für die Qualität der Arbeit. Das ist eher eine Frage der Organisation, des Selbstmanagements und des Engagements. Es wird sicherlich Terminkollisionen geben, das ist ganz normal. Ich denke aber, es ist trotzdem machbar. Und ich sehe es auch als Herausforderung an, diesen Vorwurf schnell zu widerlegen.

Welche anstehenden Projekte in Montabaur sind für Sie persönlich Herzensangelegenheiten?

Dazu zählt ganz klar die Verbindung der neuen Gebiete, ICE-Park und Kaserne, mit der Innenstadt und den Stadtteilen, damit alles als eine lebendige Stadt zusammenwächst. Es geht darum, dass sich nicht nur die modernen Teile weiterentwickeln, sondern dass auch die Altstadt mit jungem Leben erfüllt wird.

Was muss dafür passieren?

Das sind ganz viele Dinge. Es beginnt bei der Frage, wie wir die Innenstadt mit dem ICE-Bereich verbinden. Es geht auch darum, wie wir es schaffen, das Wohnen in der Innenstadt noch attraktiver zu machen – für Bewohner und für Investoren. Es stellt sich außerdem die Frage: Wie schaffen wir es, dass sich auch junge Leute gern in der Stadt aufhalten, sowohl tagsüber als auch abends? Wir wollen nicht zuletzt für eine soziale Stadt eintreten, aber das alles auch vor dem Hintergrund eines ausgeglichenen Haushalts. Die wirtschaftliche Entwicklung soll weiterhin gut voranschreiten.

Abschließend noch eine Frage an eine begeisterte Wahl-Montabaurerin: Können Sie den Menschen in wenigen Worten beschreiben, was das Leben hier so lebenswert macht?

Montabaur hat zum einen den Charme einer Kleinstadt mit Tradition. Dieses Flair der historischen Gebäude und der Natur des Westerwaldes wird verbunden mit ganz vielen Angeboten, die schon fast Großstadtcharakter haben – von Schulen und Universität über Arbeitsplätze bis hin zur ICE-Anbindung. Montabaur hat einfach eine hohe Lebensqualität.

Die Fragen stellte

Thorsten Ferdinand

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 1. Juli 2014, Seite 21 (0 Views)