Bildungschancen für alle sichern

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Wirges. In einer sehr regen, kontroversen, aber fruchtbaren Diskussion tauschten die Teilnehmer einer Veranstaltung unter dem Titel „Chancen und Grenzen von Inklusion" ihre Ansichten mit dem Vorsitzenden des Verbandes Bildung und Erziehung, Gerhard Bold, im Hotel Paffhausen in Wirges aus.
Die Landtagsabgeordnete Gabi Wieland hatte gemeinsam mit der Zukunftswerkstatt Bildung der CDU Westerwald diesen Abend initiiert. „Wenn wir erreichen wollen, dass Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben führen können, dürfen wir diese Aufgabe nicht einfach an die Lehrer übertragen. Die ganze Gesellschaft muss offener werden und pragmatisch prüfen, was möglich und was nötig ist zur Förderung aller Kinder – vom Lernbehinderten bis Hochbegabten" erläuterte sie zur Einführung. Deshalb sei es wichtig, ein Forum zu bieten, in dem unterschiedliche Erfahrungen befruchtend aufeinandertreffen.

Gerhard Bold, selbst Leiter einer Förderschule, zeigte auf, dass es nicht ausreicht, gemeinsamen Unterricht anzuordnen. Grundvoraussetzung sei Motivation, Flexibilität und Fingerspitzengefühl bei allen Pädagogen, aber genauso das Bereitstellen der Ressourcen von Finanzen über pädagogische Konzepte bis Rückzugsräume. Die Zukunft sei die Kooperation der Pädagogen auch über die Schularten hinweg, aktive Teamarbeit, kollegiale Fallbesprechung, das Erstellen gemeinsamer Förderpläne und Team-Teaching. Letztlich müssten sich Schulen und Institutionen einer Region vernetzen, von Kitas über Schulen bis zur Wirtschaft, Kommunen und Vereinen.

„Lehrer sind doch bisher schon von den vielfältigen Anforderungen überfordert" oder „Da bleibt doch die Förderung der Leistungsstarken völlig auf der Strecke" trafen in der Diskussion auf Berichte von sehr positiven Erfahrungen mit der Inklusion von Kindern mit Behinderung. Einig waren sich die Vertreter ganz unterschiedlicher Schularten und Kindertagesstätten, von Behindertenverbänden, Eltern und Interessierten: Ideologisch geprägte schnelle Entscheidungen nutzen niemanden, wichtig sind gute Vorbereitung, ein Netzwerk von Hilfen für Pädagogen, zusätzliche Finanzmittel, mehr Förderlehrer, deutlich kleinere Klassen und ein schrittweises Vorgehen und Einbinden der ganzen Gesellschaft. Außerdem regten die Teilnehmer an, derartige Foren regelmäßig anzubieten.