Innenstadt-Test

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innenstadt schüler 2 webDie Innenstadt von Montabaur sollte möglichst lebendig sein, um attraktiv zu wirken. Möglichst für jede Altersgruppe. Doch wie ist das Angebot besonders für die Jugendlichen und wie gelingt es, die Attraktivität auch praktisch umzusetzen?


Unter dem Projekt „Welche attraktiven Merkmale besitzt Montabaur für Jugendliche“ recherchierten Schüler der elften Klasse  der berufsbildenden Schule Montabaur gemeinsam mit ihrer Lehrerin Sabine Schmidt das Thema. Sie nahmen das wirtschaftliche und gastronomische Angebot sowie die verkehrstechnischen Anbindungen vom Land in die nahe gelegene Kreisstadt unter die sprichwörtliche Lupe. Ihre Ergebnisse präsentierten sie der Landtagsabgeordneten und Stadtbürgermeisterin Gabi Wieland, die zusammen mit dem stellvertretenden Leiter des Ordnungsamtes, Bernd Neuroth, gerne der Einladung der Schüler in die Berufsbildende Schule gefolgt war. Die Einkaufsmöglichkeiten, so bemängelten viele der Schüler, seien eher beschränkt. Sie vermissten Läden für „coole Klamotten“ in ihrer Altersgruppe ebenso wie Niederlassungen von derzeit angesagten Mode-Ketten, beispielsweise H&M. Allerdings waren sie bei ihrem Rundgang durch die Stadt auch überrascht von neuen Läden, die „echt schöne und günstige Sachen“ im Angebot haben.
Den gastronomischen Bereich bewerteten die Mädchen und Jungen, in dem sie Sterne für die Preise, das Angebot (Essen und Trinken) sowie die verfügbaren Plätze vergaben. Als verbesserungswürdig beanstandeten sie auch die Verkehrsanbindungen, die zwar bestehen. Leider aber wenig zu den Zeiten, in denen Jugendliche sie brauchen. „Was kann besser werden?“ fragten sie die Stadtbürgermeisterin, die den Ausführungen aufmerksam gefolgt war und Verständnis hatte. „Leider jedoch“, sagte Wieland, „haben wir auf viele Dinge keinen Einfluss.“ Ja, es stimme, die großen Modeketten zum Beispiel fehlen in Montabaur gänzlich. Das liege zunächst an den Einkaufsgewohnheiten. Außerdem werden von Anbietern oft über 400 Quadratmeter Verkaufsfläche gefordert, die bauliche Substanz von Montabaur gibt aber nur Verkaufsflächen von 100 bis 150 Quadratmetern her. „Wir haben uns im Stadtrat schon viele Gedanken darum gemacht, eine Lösung sei es, die unteren Räume eng aneinander stehender Häuser miteinander zu verbinden. Das wiederrum setze das Einverständnis der Besitzer voraus, die nicht immer zustimmen.“ erläuterte Wieland einen von vielen Lösungsansätzen. Sie sensibilisierte die Schüler aber auch für den Einkauf in der Region, denn „jeder Klick im Internet schwächt die heimischen Händler.“
Von den gastronomischen Angeboten waren die Schüler wenig begeistert. „Es gäbe zwar viele Cafes, aber die sind nicht die Zielgruppe von Jugendlichen. Und wo können wir abends feiern?“ hakten sie nach. innenstadt schüler webNeuroth stand Rede und Antwort: Welcher Gastronom sich in Montabaur niederlassen möchte, kann die Stadt nicht beeinflussen. Derzeit gibt es keine Anfragen für beispielsweise eine Diskothek. Aber, so räumte er ein, „die rechtlichen Auflagen sind für die Betreiber der bestehenden Wirtshäuser manchmal schwer umzusetzen.“ Neuroth verweist dabei auf die Gesetzeslage, die die Stadt dazu verpflichtet, bei Verstößen mit Auflagen einzuschreiten. Das sei beispielsweise eine Sperrstunde, um den Lärm für die benachbarten Anwohner erträglich zu halten. Und niemand finde es besonders schön, wenn er frühmorgens zuerst einmal die nächtlichen Hinterlassenschaften, wie Exkremente, der Feierwütigen beseitigen muss, bevor er seine eigentliche Arbeit beginnen kann. Da müsse Einhalt geboten werden, warb er um das Verständnis.
„Die Verkehrsanbindungen sind auf dem Land nicht optimal“, stimmten Wieland und Neuroth zu. Sie verwiesen auf die Nutzung des Anrufsammeltaxis, kurz AST genannt, das weitere individuelle Lösungen bietet.
Eindringlich forderte Wieland die Schüler auf, sich selbst einzubringen, Vorschläge zu machen. „Wir sind über Anregungen sehr dankbar“ zeigte die Stadtbürgermeisterin sich gegenüber neuen Ideen offen, „macht mit – nur so entsteht Bewegung!“