7 Millionen pro Jahr - wofür?

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Nach Meinung der Landesregierung geht die Energiewende in Rheinland-Pfalz nicht schnell genug voran. Deswegen wurde im Juli 2012 eine Energieagentur gegründet, die sich als GmbH zu 100 Prozent im Landesbesitz befindet. Mittlerweile arbeiten dort mehr als 60 Personen an zehn Standorten. Ihr Jahresbudget beläuft sich auf rund sieben Millionen Euro und wird weitgehend vom Land finanziert.

 

Die Agentur hat den hohen Anspruch, die landesweite Plattform für alle Themen rund um die Energiewende in Rheinland-Pfalz zu werden. Ihre zentralen Aufgaben sind das Werben für die Energiewende, Vernetzen von Akteuren, Vermitteln von Dienstleistern, Aufzeigen von Fördergeld und Abhalten von Vorträgen.
Tatsächlich leistet die Energieagentur viel – allerdings nur wenig, was andere nicht bereits auch tun. Denn wer Ansprechpartner für Fragen zur Energie benötigt, muss nicht lange suchen. Dafür stehen die vielfältigen Angebote der Verbraucherzentrale, Kammern, Fachverbände und freiberuflichen Berater bereit. Selbst auf staatlicher Ebene gibt es längst eine Reihe etablierter Akteure.
Die Agentur bestreitet das gar nicht, legt aber Wert darauf, dass sie – anders als die anderen – themenübergreifend alles im Blick habe. Das mag sogar stimmen, vielfältige Doppelstrukturen liegen damit dennoch vor. Da die Agentur außerdem niemandem Konkurrenz machen möchte, gelten kuriose Absprachen. Wer etwa als Verbraucher oder Häuslebauer zu ihr kommt, findet auf der Homepage gleich die Kontaktdaten der Verbraucherzentrale und wird selbst im Falle eines direkten Kontakts bevorzugt dorthin verwiesen. Kommunen erhalten wiederum bei ihren Projekten eine „niedrigschwellige kostenlose Beratung“, bei der es vornehmlich darum geht, aufzuzeigen, welche Maßnahmen sinnvoll wären, und wo es Fördergeld gibt. Für die praktische Durchführung wird anschließend der eigentliche Energieberater vermittelt, der diese Fragen gleichfalls hätte beantworten können.
Im Grunde verbleibt nur eine große Aufgabe, die andere Akteure in Rheinland-Pfalz so nicht wahrnehmen: das massive Werben für die Energiewende. Eine neue Agentur auf Steuerzahlers Kosten kann das aber nicht rechtfertigen.