Sicherheit braucht Personal

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kripoUm sich ein aktuelles Bild über die Sicherheitslage in der Region zu machen, besucht die Landtagsabgeordnete Gabi Wieland gemeinsam mit dem innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Matthias Lammert die verschiedenen Bereiche der Polizei. Nach Polizeiinspektionen und der Autobahnpolizei war nun die Kriminalpolizei in Montabaur dran. Das Resumee des Gesprächs: Die Unterbringung im Gebäude an der Koblenzer Straße ist sehr gut, aber die Personalausstattung macht große Sorge.
Der Leiter der Lokalredaktion der Westerwälder Zeitung, Markus Müller in seinem Bericht über das Gespräch: „Die Attraktivität einer Beschäftigung bei der Kriminalpolizei ist in den vergangenen Jahren massiv gesunken", bedauerte der Montabaurer Personalratsvorsitzende und Koblenzer Bezirksgruppenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Gerhard Jung. „Was mir richtig zu denken gibt, ist, dass fast keiner der Kollegen mehr seinen Kindern empfehlen würde, zur Polizei zu gehen." Dafür gibt es laut Jung und seinen Kollegen von der Kripo bei der Polizeidirektion Montabaur, die für die beiden Landkreis Westerwald und Rhein-Lahn zuständig ist, viele stichhaltige Gründe: Die Beamten werden im Gegensatz zu ihren Kollegen bei der Schutzpolizei schlechter bezahlt (weil zum Beispiel die Schichtzulage wegfällt), sie haben weniger Urlaub, und auch die Aussicht auf eine Beförderung ist deutlich schlechter. Aber auch bei der Kleidung haben die Kripoleute gegenüber den Schutzpolizisten einen Nachteil: Sie haben keine Uniformen, und wenn ihre Privatkleidung beim Einsatz verschmutzt wird, müssen sie selbst die Reinigung bezahlen.

„Schon jetzt sind zudem 22 von unseren insgesamt 35 Kripobeamten älter als 50 Jahre. Die Hälfte von ihnen wird in den nächsten sechs Jahren in den Ruhestand gegen", kündigt Jung an. Das Pensionsalter ist ein weiteres Problem und führt zur Abwanderung in Nachbarländer. Während in Hessen die Polizeibeamten mit 60 Jahren in Pension gehen, gelten für die rheinland-pfälzischen 62,5 Jahre als Altersgrenze. Zudem gebe es in anderen Bundesländern deutlich höhere Einstellungszahlen.
Durch diese vielen schlechten Rahmenbedingungen fehlen bereits jetzt neue junge Bewerber, die dem Anforderungsprofil für die oftmals physisch und psychisch sehr belastende Arbeit bei der Kriminalpolizei gerecht werden, haben die Montabaurer Kripobeamten festgestellt. Auch die Altersmischung könnte dabei zum Problem werden: Wenn die vielen älteren Beamten demnächst in Pension gehen, gibt es plötzlich keinen Kripoleute mit großer Erfahrung mehr, die mit viel Fingerspitzengefühl ermitteln können. „Aber um auch auf jungen Kriminalitätsfeldern arbeiten zu können, brauchen wir genauso kontinuierlich Nachwuchskräfte", weiß Jung.

„Eine personell und materiell gut ausgestattete Polizei ist für die Abwehr von Gefahren für Leib und Leben unabdingbar. Dies zeigen die aktuellen Diskussionen und Warnungen vor terroristischen Angriffen oder die deutliche Zunahme von gewalttätigen Ausschreitungen, zum Beispiel im Rahmen von Fußballspielen oder sonstigen Großveranstaltungen", stellten Lammert und Wieland fest und versprachen, sich vehement für die Anliegen der Kripo einzusetzen. Außerdem müsse die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte konsequent verfolgt und bestraft werden. mm  (Westerwälder Zeitung vom 11.02.2013)